Hans Schleif
Hans Schleif war Architekt und Archäologe, renommierter Wissenschaftler, Professor für antike Baukunst, Familienvater und ranghohes Mitglied der SS. Sein Enkel, Matthias Neukirch, ist Schauspieler am Deutschen Theater in Berlin, und begibt sich auf die Suche nach seinem Großvater.
Premiere am 13. Oktober 2011 im Deutschen Theater Berlin.
Regie Julian Klein
nominiert für den Friedrich-Luft-Preis 2011
Pressestimmen
“Ein Schauspieler erzählt von der Auseinandersetzung mit seiner familiären Vergangenheit. Matthias Neukirch berichtet von den Schwierigkeiten der Recherche, von Dokumenten, die fehlen, er zeigt und beschreibt Bilder, zitiert Briefe und Beurteilungen. Der Schauspieler unternimmt den waghalsigen Versuch, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verschränken. Er gibt viel von sich preis. Das ist berührend, aber auch unangenehm. Er hat über Hans Schleif herausgefunden, dass sein Denken von einem Hang zu Extremen gekennzeichnet war: ein Entweder-oder-Denken, dem Unsicherheiten fremd waren. Sein Enkel macht da das Gegenteil. Exakt das Gegenteil.” Ronald Meyer-Arlt
“Der Suchmonolog schwankt zwischen Unerbittlichkeit im Aufdecken von Verbrechen und der Angst, in der Biografie des Opas tatsächlich einer Untat fündig zu werden. Neukirch ist ein Wissenwollender, der seine Zweifel, Hoffnungen und Ängste nicht versteckt. Er gestaltet einen sehr persönlichen Abend, der gleichwohl auf bizarre Art antike Mythen, Holocaust und Wunderwaffen miteinander verknüpft. Selten ist Geschichte so greifbar geworden.” Tom Mustroph
Neukirchs Recherche, unangestrengt und gerade dadurch schwer beklemmend, ist der packende Versuch, anhand von Familiendokumenten zu ergründen, wie es geht, dass ein kluger Kopf aus tief bürgerlichem Anstands-Milieu zum Verbrecher wird. Und wie sie sich diese Tragödie im ganz Alltäglichen zusammenzieht. Etwas Furchtbares, lapidar aufgeblättert. Ein netter, ein grauenvoller Tugendbold „in wirklich guten Zeiten“. Reinhard Wengierek
Michelangelo Antonionis Film „Blow Up“ erzählt von einem Fotografen, der im Hintergrund der Bilder, die er in einem öffentlichen Park aufgenommen hat, eine Leiche und eine Figur mit Pistole erkennt. Um die Details genauer sehen oder die Tat rekonstruieren zu können, vergrößert er die Abzüge, so sehr, bis sich jeder Sinnzusammenhang im Korn der Fotos verliert, von möglichen Mordindizien nur Farbflecke bleiben. [...] der Skandal ist, dass der Übergang von „nahe“ und „zu nahe“ letztlich nicht definiert werden kann. Und genau dort lauert das Grauen. Schon seit Oktober 2011 zeigt das Deutsche Theater in Berlin einen großartigen, unabhängig vom Haus produzierten Soloabend, der nun für den Friedrich-Luft-Preis nominiert worden ist. [...] Was das mit „Blow Up“ zu tun hat? Tatsächlich ist eine der nachdrücklichen Leistungen dieser Arbeit, sich bei aller Schonungslosigkeit der (Selbst-)Befragung konsequent in jener Dämmerzone zu halten, in der noch die eindeutigsten Dokumente, Mitschriften und Zeugnisse – und von denen gibt es viele an diesem Abend! – ihre Eindeutigkeit verlieren, ohne dass damit jemals ein Entlastungsdiskurs (oder sein Komplement: der abschließende Schuldspruch) bedient würde. In gewisser Weise ist „Hans Schleif“ darum ein Prozess im doppelten Sinn des Wortes. Und obwohl dabei eine prägnante Nahaufnahme der Karrierelandschaft des Dritten Reiches entsteht („Posten her, Posten her, wenn’s / sein muss von der Konkurrenz“, reimte Brecht einst darüber), entlässt der Abend einen doch zugleich ratlos, in gewisser Weise ärmer. Der Preis ist ihm dringend zu wünschen. Sebastian Kirsch
